Donauwelle 13, Kiezredaktion der Donauwelle

“Eine Wahl hat man grundsätzlich nie” 

Die Union für Obdachlosenrechte kämpft dafür, dass Betroffene mitreden dürfen. Und zwischen Wohnheim und Straße mehr als eine Wahl haben.

Von Amina Hartmann

Burada türkçesini bulabilirsin.

Können obdachlose Menschen ihren Alltag selbst bestimmen? „Eine Wahl hat man grundsätzlich nie“, sagt Uwe. Er ist Mitglied der UfO, der Union für Obdachlosenrechte. Die unabhängige Interessenvertretung ist seit April 2023 in Berlin aktiv. Sie nimmt neben der „Wohnungslosenstiftung“ eine Vorreiterrolle in der Selbstvertretung ein. Das heißt, Betroffene können sich selbst für ihre Rechte einsetzen und eigene Erfahrungen sichtbar machen.

Uwes eigene Geschichte zeigt, wie schnell es gehen kann. Er lebte in einer Wohngemeinschaft, deren Hauptmieter aus persönlichen Gründen die Mietzahlungen eingestellt hat. Dann kam die Zwangsräumung. Und plötzlich stand er auf der Straße. 

Es bleiben zwei Optionen: Den erstbesten Wohnheimplatz annehmen, den das Amt einem anbietet. Oder in der sogenannten „freiwilligen Obdachlosigkeit“ auf der Straße leben. „Die Wohnheime sind meist in schlechtem Zustand. 80 Prozent werden von privaten Trägern betrieben, der Mehrheit geht es nur ums Geld. Sie achten nicht auf gute Hygiene- und Sozialverhältnisse“, so Uwe. 

Die UfO Berlin informiert und kämpft: Ein Kollege von Uwe im Einsatz @UfO Berlin

Eine Nacht im Wohnheim kostet im Durchschnitt 35 Euro pro Person. Ein teurer Spaß. Wäre eine eigene Einzimmerwohnung auf Dauer nicht günstiger, möchte ich von Uwe wissen. „Ja, natürlich. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass Alternativwohnraum, der von Betroffenen gefunden wird, ebenfalls genehmigt wird, etwa in Form eines WG-Zimmers.“ Zudem sollen auch die Kosten für auf eigene Initiative gefundene Hostel-Zimmer oder 24/7-Einrichtungen als Wohnheimalternative übernommen werden.

Von der nächsten Berliner Landesregierung fordert UfO zudem mehr sozialen Wohnungsbau und den Aufbau einer unabhängigen Beschwerdestelle für obdach- und wohnungslose Menschen in Berlin.

Die Hürden betreffen allerdings nicht nur das Wohnen, auch politische Teilhabe gestaltet sich schwierig. Wohnungslose Menschen dürfen wählen, müssen sich jedoch spätestens 21 Tage vor der Wahl ins Wahlregister eintragen. Für den Erhalt der Wahlunterlagen ist ab dem Moment ein fester Aufenthaltsort erforderlich. Für Menschen auf der Straße oft schwer umsetzbar. 

Hinzu kommt: Wer jeden Tag ums Überleben kämpft, hat selten den Kopf und die Zeit, rechtzeitig einen Antrag zu stellen. Aber mitgestalten kann nur, wer auch gehört wird. Genau dafür kämpft die UfO, unterstützt sie dabei!


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UfO Berlin ist eine Interessensvertretung, bestehend aus wohnungslosen und ehemals wohnungslosen Menschen und ihren Verbündeten. Sie wurde 2025 mit dem Engagementpreis in Neukölln ausgezeichnet.

Nachbarschaftshaus Urbanstraße
Urbanstraße 21, 10961 Berlin 

https://ufo-berlin.org/


Dieser Beitrag ist erstmals am 18.06.2026 in der Donauwelle 13/2026 erschienen. Die Kiezzeitung Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Wir sind der Donaukiez“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.