Aya und Saeda engagieren sich im Bewohnendenkomitee der Neuköllner Geflüchtetenunterkünfte, einem gewählten Gremium, das Bewohner*innen eine Stimme gibt. Bei der Abgeordnetenhauswahl im September zählen ihre Stimmen nicht.
von Eric Friedewald

Am Tag des Besuchs macht die Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Geflüchtete im Neuköllner Gewerbegebiet einen geordneten Eindruck. Zwischen den bunten Häusern liegt eine frisch gemähte Rasenfläche, der Stand des Bewohnendenkomitees ist schon von weitem sichtbar.
Doch Müll und kaputte Waschmaschinen in ihrer Unterkunft waren es, die Aya Alsheikh Salim dazu bewogen haben, sich in das Neuköllner Bewohnendenkomitee wählen zu lassen. “Ich wollte eine Lösung finden, das hat mich einfach gestört”, so die 20-jährige.
Im letzten Jahr war Aya eine von 5 gewählten Vertreter*innen der GU Haarlemer Straße. Sie haben ein Ohr für ihre ca. 250 Mitbewohner*innen und einen kurzen Draht zur Unterkunftsleitung. Für die gemeinschaftlichen Waschräume konnte Aya so feste Öffnungszeiten und einen Wachschutz erreichen. Sie ist sichtlich zufrieden: “Ich mag es, etwas zum Besseren zu verändern.”
Auch die 18-jährige Saeda Anghja hat bereits eine Wahlperiode als Repräsentantin des Komitees absolviert. Die Vertreter*innen aller Neuköllner Unterkünfte kommen einmal monatlich mit dem Bezirksamt zusammen und geben Ideen und Anregungen weiter. Saedas Idee war die Einrichtung eines Sportraums, den es mittlerweile gibt: “Man hat mir zugehört, das war sehr schön.” Aya kann das bestätigen, sie “hatte das Gefühl ernst genommen zu werden”. Diese Erfahrungen tragen sie in die Unterkunft und nehmen ihren Mitbewohner*innen beispielsweise die Angst vorm Jugendamt.
Mittendrin kommt Ayas Mutter zurück von einer ihrer unzähligen Wohnungsbesichtigungen. “Sie ist schon fast depressiv, weil sie nichts findet”, klagt Aya. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt und der Müll werden auch bei den Berliner Wahlen im September bestimmende Themen sein. Ayas und Saedas Stimmen werden dabei jedoch nicht zählen. Zur Wahl des Bewohnendenkomitees tritt Saeda dennoch wieder an, denn sie will anderen Geflüchteten helfen: “Hier kommen auch nach mir noch Neue.” Aya kann nicht mehr antreten: Sie hat das riesige Glück, bald in ihre erste eigene Wohnung ziehen zu können.
Seit letztem Herbst leben rund 250 Menschen aus der Ukraine in unserer Nachbarschaft: in einer neuen Gemeinschaftsunterkunft auf der Sonnenallee. Wir freuen uns schon auf ein Interview mit den neuen Nachbar*innen und bald gewählten Komiteemitgliedern in der nächsten Donauwelle!
Dieser Beitrag ist erstmals am 18.06.2026 in der Donauwelle 13/2026 erschienen. Die Kiezzeitung Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Wir sind der Donaukiez“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.
