Unsere Kiezredakteurin Monika nimmt uns mit in die 1970er Jahre, als sie auf einmal rückwirkend volljährig wurde und der Wahl-O-Mat noch eine Utopie war.
Monika Brennecke

Mit 19 Jahren zog ich in meine erste eigene Wohnung. Den Mietvertrag durfte ich trotzdem nicht allein unterschreiben. Denn es war das Jahr 1974, und volljährig wurde man damals erst mit 21 Jahren. Also musste mein Vater mit unterschreiben.
Auch über meine Ausbildung entschieden meine Eltern. Nach einer ungeliebten Banklehre begab ich mich auf den „Zweiten Bildungsweg“ und holte mein Abitur nach. Damals war die Rede von der „Bildungskatastrophe“: Zu wenige Lehrer, kaum Arbeiterkinder auf dem Gymnasium, fehlende Fachkräfte. Die Bildungsreform sollte das ändern. Ich war sehr froh darüber und nutzte meine Chance. Später konnte ich tatsächlich studieren.

Mit 18 durfte man damals übrigens schon wählen, auch wenn man noch nicht volljährig war. Meine erste Wahl war 1974, mit 19 Jahren. Eine Landtagswahl. Gut informiert war ich nicht: ich hatte keinen Fernseher, keine Zeitung, wenig Geld, und das Internet gab es noch nicht. Ich folgte eher meinem Bauchgefühl. Es gab sowieso nur drei große Parteien: CDU, SPD und FDP. Den Wahl-O-Mat gab es damals noch nicht. Den finde ich heute übrigens sehr hilfreich.
Im selben Jahr wurde beschlossen, dass man ab Januar 1975 mit 18 volljährig wird. Ich fühlte mich ein bisschen betrogen, weil ich mit 19 auf einmal rückwirkend volljährig wurde. Trotzdem war ich glücklich, endlich alles selbst entscheiden zu dürfen. Und fühlte mich gleich erwachsener.
Mein Appell: Informiert euch gut und nutzt eure Möglichkeit, mit eurer Stimme Einfluss zu nehmen. Diese Möglichkeit haben nicht alle!
| Wahl-O-Mat: Ein digitales Tool der Bundeszentrale für politische Bildung zur Meinungsbildung vor Wahlen. Man kann die eigene Meinung mit den Antworten der politischen Parteien vergleichen. | Wahl-O-Mat: A digital tool by the Federal Agency for Civic Education to help voters form their opinions before elections. You can compare your own views with the positions of political parties. |
| Wahl-O-Mat: Seçimlerden önce siyasi görüş oluşturmaya yardımcı olan, Federal Siyasi Eğitim Dairesi’ne (Bundeszentrale für politische Bildung) ait bir dijital araç. Kişi, kendi görüşlerini siyasi partilerin yanıtlarıyla karşılaştırabilir. | أداة المساعدة الانتخابية: أداة رقمية مقدمة من الوكالة الاتحادية للتربية السياسية، صُممت للمساعدة في تكوين رأي قبل الانتخابات. إذ تتيح للمستخدمين مقارنة وجهات نظرهم مع ردود الأحزاب السياسية. |
Mehr Informationen über den Wahl-O-Mat 2026 findet ihr hier:
https://www.bpb.de/themen/wahl-o-mat
Dieser Beitrag ist erstmals am 18.06.2026 in der Donauwelle 13/2026 erschienen. Die Kiezzeitung Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Wir sind der Donaukiez“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.
