Donauwelle 13, Kiezredaktion der Donauwelle

“Wenn das Leben anklopft…”

Kleine Wahlen, große Fügungen: Unser Kiezgedächtnis weiß, wie man dem Tag und dem Leben die Tür öffnet. 

Von Reni und Hans Babkuhl

Wählen – schon beim Frühstück? Foto: Hans Babkuhl

Der Mensch ist jeden Tag gezwungen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit der Tag nicht mies verläuft. Die Wahl fängt morgens an: Rührei, Spiegelei oder doch die bemalten Eier? Ich wähle letztere und schiebe sie mir in den Mund. So starte ich mit meiner ersten farbenfrohen Wahl in den Tag. Alles andere ergibt sich schon.

— Reni, 87 Jahre

Eine gute Wahl: Bemalte Eier à la @Hans und Reni Babkuhl

Es gibt auch Wahlen, die ein ganzes Leben verändern.

Ich wollte immer Tischler werden, fand aber keine Lehrstelle. Also erlernte ich das Bäckerhandwerk und traf damit die beste Wahl meines Lebens. Denn dabei lernte ich meine Reni kennen und entschied mich fürs Glück. Im August 1960 haben wir geheiratet. Jetzt sind wir fast 66 Jahre verheiratet und freuen uns immer noch über diese Entscheidung.

Die zweitbeste Wahl war, 1960 bei der BVG anzufangen: zuerst als Straßenbahnschaffner, dann Busschaffner, später Busfahrer. 1994 fragte die BVG, ob ich mit 58 Jahren in den Vorruhestand gehen möchte. Ich sagte Ja – und habe auch diese Wahl nie bereut.

Nun hatte ich plötzlich viel Zeit und wurde Ehrenamtlicher in der Martin-Luther-Kirche. Eines Tages tauchte Claire aus der Kiezredaktion auf, um mit Reni und mir ein Interview für die Donauwelle zu machen. Wir stimmten zu. Das hat uns so gut gefallen, und es entstand das Kiezgedächtnis, die Rubrik, die ihr in jeder Ausgabe lest. Auch das war eine Wahl, die unser Leben verändert hat.

Das Glück muss man auch annehmen können! Also: Immer schön Ja sagen, wenn das Leben anklopft. Dann wird aus einer Fügung die beste Wahl.

— Hans, 90 Jahre

90 Jahre voller Entscheidungen: Hans’ Geburtstagsporträt von Irit Mogilevsky


Dieser Beitrag ist erstmals am 18.06.2026 in der Donauwelle 13/2026 erschienen. Die Kiezzeitung Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Wir sind der Donaukiez“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.