Autor: stefanie

Unkürzbar: Vorfahrt für Inklusion

Am 5. Mai demonstrierten hunderte Menschen in Berlin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und gegen geplante Kürzungen. Drei Tage später waren wir auch bei der Inklusionsaktion auf dem Neuköllner Rathausvorplatz dabei. von Stefanie Battisti und Yael Parish Auch dieses Jahr war im Rahmen des „Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ lautstarker Protest angesagt. Das diesjährige Motto lautete: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“. Auch drei Tage später wurde der Protest sichtbar — diesmal direkt vor unserer Haustür. Unter dem Motto „Gemeinsam stark: Inklusion in Neukölln und Europa“ lud die Veranstaltung auf dem Neuköllner Rathausvorplatz Bürger*innen, Vereine und Interessierte ein, gemeinsam über inklusive Zukunftsideen zu sprechen und Forderungen an die Politik zu richten. Wir haben mit Engagierten vor Ort gesprochen. „Wir möchten aufzeigen, dass wir ein aktiver Teil dieser Gesellschaft sind – kein hilfebedürftiger. Natürlich sind wir auf Unterstützung angewiesen, aber wir sind aktive Mitgestalter von Neukölln. Und wir möchten diese Wertschätzung haben und zeigen, was wir leisten können.“  – Anke Nietsch, begleitender Dienst, Tagesförderstätte Neukölln der Lebenshilfe Protest lohnt sich! Im Mai 2026 …

Meilensteine des Wahlrechts

Wer wählen und gewählt werden durfte, war im Laufe der Zeit immer unterschiedlich. Wir nehmen euch mit auf eine Reise durch die Entwicklung des Wahlrechts für den Donaukiez. Eric Friedewald Click here for the English Version. 1908 – Alte, weiße Männer mit viel Geld regieren Rixdorf Bei Politikern aus der Kaiserzeit denken wohl viele Menschen an alte Männer mit Schnäuzer, Zigarre, Frack und Zylinder. Dieses Bild kommt nicht von ungefähr. Die Stadtverordnetenversammlung (heute BVV) von Rixdorf (später Neukölln) durfte nur von steuerpflichtigen Männern ab 25 Jahren gewählt werden. Frauen, junge Menschen, arme Menschen und Soldaten waren vom Wahlrecht ausgeschlossen. Somit waren nNur ca. 15% der Neuköllner*innen wahlberechtigt. Und damit nicht genug: Die verbliebenen Wahlberechtigten wurden nach ihrem Steueraufkommen in drei Klassen eingeteilt. Wenige Reiche in den ersten beiden Klassen stellten nur 20 % der Wahlberechtigten. 80% der Wahlberechtigten gehörten der dritten Klasse an. Jede Klasse wählte jedoch ein Drittel der Stadtverordneten, was die Wohlhabenden stark begünstigte und die SPD als Arbeiterpartei von der Macht fernhielt. 1918/20: Eine Revolution des Wahlrechts In der Weimarer Republik wurde …

Hast du eine Stimme?

Jede Stimme zählt! Das gilt im September ganz besonders: Dann finden in Berlin gleich mehrere Wahlen statt. Aber nicht alle haben eine Stimme, die sie für den Schutz der Demokratie nutzen können: Nur die Hälfte aller Menschen im Donaukiez hat ein Wahlrecht. Wir haben mit Anwohner*innen darüber gesprochen, wie sie sich trotzdem beteiligen und welche Entscheidungen sie jeden Tag treffen. Außerdem erfahrt ihr, wie sich das Wahlrecht in Deutschland entwickelt hat, wie sich geflüchtete und wohnungslose Menschen für ihre Rechte einsetzen und wo Kinder Politik machen. Und wo bringst du dich ein? Du hast die Wahl: Schau in unseren Entscheidungsbaum, entdecke die Beteiligungsmöglichkeiten im Rathaus Neukölln — und im Kiezkalender findest du alle Termine rund um die Wahl! Every voice counts! That’s especially true this September, when Berlin holds several elections at once. But not everyone has a voice: only half of all people in Donaukiez are eligible to vote. We’ve talked to neighbours about how they get involved anyway — and what decisions they make every day. You’ll also find out how voting rights …

Stimmen aus dem Donaukiez

Bei der Kiezgarteneröffnung haben wir Nachbar*innen gefragt, welche Entscheidungen sie täglich treffen – und wo sie sich mehr Mitsprache wünschen. gesammelt von Yael Parish und Stefanie Battisti Heute habe ich schon entschieden, wo ich die Pause verbringen kann. Das fällt mir leicht.Amina Meine Familie entscheidet, wie viel Bildschirmzeit ich kriege oder wann wir Abendessen machen wollen.Elif Was ich nicht gerne entscheide: wo wir im Sommer hinfahren. Sonst würde ich vielleicht einen Ort nehmen, den ich dann am Ende nicht mag. Elisa Amina, Elif und Elisa (6. Klasse) Ich wohne im Donaukiez, weil bei Freunden ein WG-Zimmer frei wurde. Das war meine Wahl. Mitentscheiden würde ich gerne in der Verkehrspolitik: den Ring autofrei machen, zum Beispiel.Johannes Ich habe mich entschieden, schwanger zu werden, aber was für ein Mensch mein Kind wird, das entscheidet es selbst.Johanna I’d like to have more to say in local politics, especially when it comes to waste in the Kiez.Stash In Deutschland habe ich als allererstes entschieden, einen Deutschkurs zu besuchen. Ich bin seit 25 Jahren hier. Ich ich darf wählen, aber die …

#winning

Beim Spielen geht es nicht ums Gewinnen. Das sollte auch die Botschaft unserer Ausgabe sein. Aber dass Gewinnen Spaß macht, zeigt die Glückssträhne unserer Kiezredaktion im letzten Halbjahr. In eigener Sache: von Stefanie Battisti Recherche lohnt sich… Schon bei der ersten Sitzung der Kiezredaktion stand fest: Die neue Ausgabe widmet sich dem Thema Spielen. Gleich im Anschluss stolperten wir über die Ausstellung Game, Gamble & Play im benachbarten “Hilbertraum”   in der Reuterstraße – perfekt für eine erste Recherche zum Thema! Knapp vor Ende der Finissage eingetroffen, fanden wir uns zwischen Bällebad, Bildern und allerlei Spielereien wieder. Und dann: die Tombola. Unsere Kollegin Yael wagte ihr Glück, obwohl sie selbst immer sagt: „Ich gewinne eh nie was.“ Die Siebdruck-Beutel, der Trostpreis, sahen immerhin gut aus. Die Ziehung begann, Nummer für Nummer, Gewinner*in um Gewinner*in… Yael hatte sich schon resigniert ins Bällebad zurückgezogen. Und dann geschah es: Nummer 77! Unsere Kiezredakteurin erhielt den Hauptpreis: ein Bild des Berliner Künstlers Philip Grözinger. #winning …und Engagement auch! Auch die restliche Kiezredaktion ging im letzten Halbjahr nicht leer aus: …

More Than Just a Pub: Save Das Gift!

A neighbourhood bar that grew into a creative refuge now faces an uncertain future — and its community is rallying to protect the space that has shaped friendships, art, and belonging for fifteen years. An interview with Lawrence Snelgrove and Raphael Korn of Das Gift Can you share the story of Das Gift – how it started? And what are your roles there? Raphael: Das Gift was started in 2010, when Rachel Burns, wife of Barry Burns from the Scottish band Mogwai, took over this little Eckkneipe and reinvented it. The two of them  brought in more music events, turned it into a hangout for expats, and started an English-speaking pub quiz that runs every Monday to this day. My own role now is a mix of ownership and stewardship. Together with Lawrence, it’s also about trying to protect a space that clearly means a lot to people. Lawrence: I took over managing Das Gift at the beginning of September. I moved to Berlin four months ago and when I stumbled across Das Gift, I …

Wie geht kollektives Schreiben?

Stefanie, Claire und Yael begleiten den gemeinsamen Schreibprozess in der Kiezredaktion. Ein Co-Interview übers Co-Texten.  — von Stefanie Battisti, Claire Horst und Yael Parish Stefanie, du koordinierst jede Themen-Ausgabe, die in Zusammenarbeit zwischen vielen verschiedenen Personen entsteht. Wie gelingt das? S: Ich sehe mich nicht als Redaktionsleiterin, sondern eher als Moderatorin eines gemeinsamen Schaffensprozesses. Von der Themenfindung bis zur Farbwahl: Die verschiedenen Schritte werden in der Kiezredaktion abgestimmt. Auch die Inhalte entstehen in Arbeitsgruppen: In sogenannten “Themen-AGs” werden Nachbar*innen ohne journalistische Erfahrung von einem Team aus Medienmachenden begleitet. In den 5 Jahren haben wir auch Workshops durchgeführt, in denen sich alle Interessierten durch aktive Medienarbeit schulen konnten. Unser Motto: Alle haben was zu sagen und können sich in unserer Kiezzeitung ausdrücken! Yael, du bist die rasende Reporterin der Donauwelle. Wie quatscht man am besten fremde Leute an? Wieso antworten sie dir? Nicht alle antworten – und das sollte respektiert werden. Aber wenn du den Personen mit echter Neugier und vor allem auf Augenhöhe gegenübertrittst, dann sind die meisten gesprächsbereit. Unsere Kiezzeitung lebt von den verschiedenen …

„Schule muss anders“ – für alle Kinder

Philipp Dehne hat als Lehrer in Kreuzberg und Neukölln gearbeitet und 2021 die Bildungsinitiative “Schule muss anders” mitbegründet. Im Interview spricht er über die Bildungskrise, Chancen und Herausforderungen in Neukölln und darüber, wie du aktiv werden kannst.  Interview von Wiebke Heiber Warum muss Schule anders? Das ist eine geteilte Erfahrung von allen Leuten, die im Schulkontext sind: von Schüler*innen, Schulbeschäftigten und Eltern. Es gibt so viel Druck und Stress. Viele können nicht so arbeiten, wie sie es eigentlich wollen, das heißt mit Zeit auf alle Schüler*innen eingehen. Für die individuelle Förderung braucht es Rahmenbedingungen und natürlich eine pädagogische Haltung. Die jetzigen Rahmenbedingungen führen oft dazu, dass Kinder hinten runterfallen und nicht die Lebenswege wählen können, die sie gerne wählen würden.  Was soll genau anders? Es braucht einfach mehr Zeit für die Arbeit in der Schule, für die Beziehungsarbeit mit den Schüler*innen, aber auch für die Teamarbeit im Kollegium. Dafür braucht es mehr Personal an den Schulen und eine verlässliche finanzielle Ausstattung. Außerdem fordern wir eine Anlauf- oder Beschwerdestelle für den Bereich Inklusion und Antidiskriminierung. Wenn …

Diskussionsforum „Räume und Teilhabe“

Hinsichtlich der Sozialkürzungen und Raumknappheit in Neukölln gibt es großen Gesprächsbedarf. Am 22. November trafen sich Initiativen aus Neukölln, um ihre Anliegen in die Öffentlichkeit und Bezirkspolitik tragen. Ausgehend von der drohenden Schließung des Nachbarschaftshauses in der Karlsgartenstr. 6 veranstalten die Nutzer*innen des Hauses im Rahmen des Demokratieprojektes seit 2022 die Reihe „Räume und Teilhabe“. Auf Rundgängen und Netzwerktreffen haben wir uns gemeinsam mit anderen Räumen und raumlosen Initiativen mit dem Raummangel und der Verdrängung gemeinnütziger Räume in Neukölln beschäftigt. Die Anliegen und Erfahrungen, die dabei gesammelt wurden, möchten wir nun in die Öffentlichkeit tragen und im gemeinsamen Austausch untereinander und mit politischen Entscheidungsträger*innen besprechen. Programm 16:30 Ausstellung „Mehr Räume, mehr Teilhabe“ In einer offenen Ausstellung konnten die teilnehmenden Initiativen und Räume ihre Anliegen und Projekte vorstellen, künstlerisch inszenieren und sich kennenlernen. 17:30 Diskussionsforum „Quo vadis, Neukölln?“ Im Format des Worldcafé wurde im Anschluss in drei Gruppen an drei Diskussionstischen über Anliegen und Lösungsansätze im Bezug auf Raum- und Teilhabefragen im Stadtteil diskutiert. Damit der Austausch auf Augenhöhe erfolgen kann, wurden die Diskussionstische von externen Gesprächsrundenleiter*innen moderiert und sahen auch …

Siebdruck und (kritische) Männlichkeit

In dieser Workshopreihe, die seit 2023 im Rahmen des Demokratieprojektes der Schillerwerkstatt umgesetzt wird, versuchen wir, Männlichkeit(en) aus einer reflexiven und solidarischen Perspektive zu betrachten. Außerdem erlernen die Teilnehmer*innen verschiedene Siebdrucktechniken. Als Teil unseres Austausches haben wir in der ersten Aufbauphase mit insgesamt 27 Teilnehmern eine Mappe mit Postern erstellt, die unsere Überlegungen und Erfahrungen widerspiegeln. Aus der Aufbauphase entstand die zweite Reihe des Siebdruckworkshop: zum Thema Liebe! In einer dritten Workshopreihe im Oktober 2024 verwenden wir die Anaglyphentechnik, wobei mit Hilfe von roten Brillen versteckte Botschaften in unseren eigenen Kunstwerken sichtbar werden und neue Blicke auf Männlichkeiten entstehen. Gemeinsam gestalten und drucken wir Bilder, die traditionelle Rollenbilder hinterfragen und neue Perspektiven aufzeigen. Egal, ob du schon Erfahrung im Siebdruck hast oder einfach nur neugierig bist – du bist herzlich willkommen! Hier mehr Infos. Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Demokratieprojektes der Schillerwerkstatt statt. Gefördert durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung.