Alle Artikel mit dem Schlagwort: Donauwelle

“Eine Wahl hat man grundsätzlich nie” 

Die Union für Obdachlosenrechte kämpft dafür, dass Betroffene mitreden dürfen. Und zwischen Wohnheim und Straße mehr als eine Wahl haben. Von Amina Hartmann Burada türkçesini bulabilirsin. Können obdachlose Menschen ihren Alltag selbst bestimmen? „Eine Wahl hat man grundsätzlich nie“, sagt Uwe. Er ist Mitglied der UfO, der Union für Obdachlosenrechte. Die unabhängige Interessenvertretung ist seit April 2023 in Berlin aktiv. Sie nimmt neben der „Wohnungslosenstiftung“ eine Vorreiterrolle in der Selbstvertretung ein. Das heißt, Betroffene können sich selbst für ihre Rechte einsetzen und eigene Erfahrungen sichtbar machen. Uwes eigene Geschichte zeigt, wie schnell es gehen kann. Er lebte in einer Wohngemeinschaft, deren Hauptmieter aus persönlichen Gründen die Mietzahlungen eingestellt hat. Dann kam die Zwangsräumung. Und plötzlich stand er auf der Straße.  Es bleiben zwei Optionen: Den erstbesten Wohnheimplatz annehmen, den das Amt einem anbietet. Oder in der sogenannten „freiwilligen Obdachlosigkeit“ auf der Straße leben. „Die Wohnheime sind meist in schlechtem Zustand. 80 Prozent werden von privaten Trägern betrieben, der Mehrheit geht es nur ums Geld. Sie achten nicht auf gute Hygiene- und Sozialverhältnisse“, so Uwe.  Eine …

September 2026: Es wähle, wer kann!

Am 20. September finden in Berlin gleich zwei Wahlen statt: die Wahl zum Abgeordnetenhaus und die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Wer hat hier die Wahl? von Claire Horst und Eric Friedewald Abgeordnetenhaus (AGH)Berliner Landesparlament, alle 5 JahreWer darf wählen?– Deutsche Staatsangehörige ab 16 JahrenSeit mind. 3 Monaten in Berlin gemeldet2 Stimmen: eine für Direktkandidat*in, eine für Partei Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Bezirksparlament, alle 5 JahreWer darf wählen?– Deutsche Staatsangehörige ab 16 Jahren– EU-Bürger*innen ab 16 JahrenSeit mind. 3 Monaten in Berlin gemeldetJede*r Wähler*in hat 1 Stimme Wahlberechtigung im DonaukiezFast jede*r zweite Bewohner*in des Donaukiezes darf im September nicht über das Abgeordnetenhaus mitentscheiden. Das Wahlrecht ist eine Frage der Herkunft und des Alters. Abgeordnetenhaus (AGH) –Berlin Eyalet ParlamentosuSeçimler her 5 yılda bir yapılır.Kimler oy kullanabilir?– 16 yaşını doldurmuş Alman vatandaşları– En az 3 aydır Berlin’de ikamet ediyor olmak2 oy hakkı: biri doğrudan aday için, diğeri bir parti için Neukölln İlçe Meclisi (Bezirksverordnetenversammlung – BVV)İlçe parlamentosu, her 5 yılda bir seçilir.Kimler oy kullanabilir?– 16 yaşını doldurmuş Alman vatandaşları– 16 yaşını doldurmuş AB vatandaşlarıEn az 3 aydır Berlin’de ikamet ediyor …

Milestones of Voting Rights

Who was allowed to vote — and to run for office — has changed dramatically over time. Join us on a journey through the history of voting rights in Donaukiez. By Eric Friedewald 1908 – Old, white men with lots of money rule Rixdorf Many people probably think of politicians from the imperial era as old men with mustaches, cigars, tailcoats and top hats. This image is no coincidence. The City Assembly (today the BVV) of Rixdorf (later Neukölln) could only be elected by tax-paying men aged 25 and older. Women, young people, the poor, and soldiers were excluded from the right to vote. Consequently, only about 15% of Rixdorf’s residents were eligible to cast a ballot. And that was not all: the remaining eligible voters were divided into three classes based on the amount of taxes they paid. A small number of wealthy individuals in the first two classes constituted only 20% of eligible voters. 80% of eligible voters belonged to the third class. However, each class elected one-third of the city representatives—a system …

Meilensteine des Wahlrechts im Kiez

Wer wählen und gewählt werden durfte, war im Laufe der Zeit immer unterschiedlich. Wir nehmen euch mit auf eine Reise durch die Entwicklung des Wahlrechts für den Donaukiez. Eric Friedewald Click here for the English Version. 1908 – Alte, weiße Männer mit viel Geld regieren Rixdorf Bei Politikern aus der Kaiserzeit denken wohl viele Menschen an alte Männer mit Schnäuzer, Zigarre, Frack und Zylinder. Dieses Bild kommt nicht von ungefähr. Die Stadtverordnetenversammlung (heute BVV) von Rixdorf (später Neukölln) durfte nur von steuerpflichtigen Männern ab 25 Jahren gewählt werden. Frauen, junge Menschen, arme Menschen und Soldaten waren vom Wahlrecht ausgeschlossen. Somit waren nur ca. 15% der Neuköllner*innen wahlberechtigt. Und damit nicht genug: Die verbliebenen Wahlberechtigten wurden nach ihrem Steueraufkommen in drei Klassen eingeteilt. Wenige Reiche in den ersten beiden Klassen stellten nur 20 % der Wahlberechtigten. 80% der Wahlberechtigten gehörten der dritten Klasse an. Jede Klasse wählte jedoch ein Drittel der Stadtverordneten, was die Wohlhabenden stark begünstigte und die SPD als Arbeiterpartei von der Macht fernhielt. 1918/20: Eine Revolution des Wahlrechts In der Weimarer Republik wurde …

“Wenn das Leben anklopft…”

Kleine Wahlen, große Fügungen: Unser Kiezgedächtnis weiß, wie man dem Tag und dem Leben die Tür öffnet.  Von Reni und Hans Babkuhl Der Mensch ist jeden Tag gezwungen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit der Tag nicht mies verläuft. Die Wahl fängt morgens an: Rührei, Spiegelei — oder doch die bemalten Eier? Ich wähle letztere und schiebe sie mir in den Mund. So starte ich mit meiner ersten farbenfrohen Wahl in den Tag. Alles andere ergibt sich schon. — Reni, 87 Jahre Es gibt auch Wahlen, die ein ganzes Leben verändern. Ich wollte immer Tischler werden, fand aber keine Lehrstelle. Also erlernte ich das Bäckerhandwerk — und traf damit die beste Wahl meines Lebens. Denn dabei lernte ich meine Reni kennen und entschied mich fürs Glück. Im August 1960 haben wir geheiratet. Jetzt sind wir fast 66 Jahre verheiratet und freuen uns immer noch über diese Entscheidung. Die zweitbeste Wahl war, 1960 bei der BVG anzufangen: zuerst als Straßenbahnschaffner, dann Busschaffner, später Busfahrer. 1994 fragte die BVG, ob ich mit 58 Jahren in den Vorruhestand …

Hast du eine Stimme?

Jede Stimme zählt! Das gilt im September ganz besonders: Dann finden in Berlin gleich mehrere Wahlen statt. Aber nicht alle haben eine Stimme: Nur die Hälfte aller Menschen im Donaukiez darf im September das Abgeordnetenhaus wählen. Wir haben mit Anwohner*innen darüber gesprochen, wie sie sich trotzdem beteiligen und welche Entscheidungen sie jeden Tag treffen. Außerdem erfahrt ihr, wie sich das Wahlrecht in Deutschland entwickelt hat, wie sich geflüchtete und wohnungslose Menschen für ihre Rechte einsetzen und wo Kinder Politik machen. Und wo bringst du dich ein? Du hast die Wahl: Schau in unseren Entscheidungsbaum, entdecke die Beteiligungsmöglichkeiten im Rathaus Neukölln — und im Kiezkalender findest du alle Termine rund um die Wahl! Every voice counts! That’s especially true this September, when Berlin holds several elections at once. But not everyone has a voice: only half of all people in Donaukiez are eligible to vote. We’ve talked to neighbours about how they get involved anyway — and what decisions they make every day. You’ll also find out how voting rights in Germany have evolved, how refugees …

Stimmen aus dem Donaukiez

Bei der Kiezgarteneröffnung haben wir Nachbar*innen gefragt, welche Entscheidungen sie täglich treffen – und wo sie sich mehr Mitsprache wünschen. gesammelt von Yael Parish und Stefanie Battisti Heute habe ich schon entschieden, wo ich die Pause verbringen kann. Das fällt mir leicht. Meine Familie entscheidet, wie viel Bildschirmzeit ich kriege oder wann wir Abendessen machen wollen. Was ich nicht gerne entscheide: wo wir im Sommer hinfahren. Sonst würde ich vielleicht einen Ort nehmen, den ich dann am Ende nicht mag.  Amina, Elif und Elisa (6. Klasse) Ich wohne im Donaukiez, weil bei langjährigen Freunden ein WG-Zimmer frei wurde. Das war schon meine Wahl! Mitentscheiden würde ich gerne in der Verkehrspolitik: den Ring autofrei machen, zum Beispiel! Gerne werden mir Entscheidungen abgenommen, die nicht so wichtig sind: z.B. was gekocht wird! Johannes Ich habe mich entschieden, schwanger zu werden, aber was für ein Mensch mein Kind wird, das entscheidet es selbst.Johanna I’d like to have more to say in local politics, especially when it comes to waste in the Kiez.Stash In Deutschland habe ich als allererstes …

“Kumar bağımlılığı, ilacı olmayan bir hastalık. Ama dermanı var”

Almanya’da 1,3 milyondan fazla insan* kumar bağımlısı. Ancak psikolog ve sosyolog Kazım Erdoğan, bu sayının çok daha fazla olduğu görüşünde. Bu yüzden kurucusu olduğu Aufbruch Neukölln derneğinde kumar bağımlısı erkekler için bir yardımlaşma grubu başlatmış. Açık bir dil ve aynı göz hizasında iletişim kurmak en güzel terapi yöntemi diyen Erdoğan’ın kapısı herkese açık. Zeynep Dişbudak Zeynep Dişbudak: Kumar bağımlılığına karşı bir yardımlaşma grubu kurma fikri nasıl doğdu? Kazım Erdoğan: 80’li yıllarda okullarda öğretmen ve sonrasında psikolog olarak çalışıyordum. Bayan velilerin birçoğundan, eşlerinin kumar alışkanlıklarından şikayetlerini duyuyordum. Ayrılma ve boşanmaların ardında kumar, alkol ve uyuşturucu bağımlılığı önemli rol oynuyordu. Evin tüm gelirlerini, hatta ailenin altınlarını götürüp ‘leihhaus’lara bırakanları, gırtlağa kadar borç batağında olanları tanıyorum. Bunun büyük bir kanayan yara olduğunu tespit ettim. 2007 yılında önce Türkiyeli babalar grubunu kurdum. O grubun içinde birkaç arkadaşın da oyun bağımlısı olduğunu duyduktan sonra dedim ki, kumar bağımlılığına karşı öz yardım grubu kurmanın zamanı geldi hatta geçti. Kurduğumuz ilk grup 2011-2020 arasında AOK tarafından finanse edildi. AOK desteğini çekince maddiyatsızlıktan grubu kapatmak zorunda kaldık. Kumar problemi olanlar babalar grubuna gelmeye …

Da gibt’s noch Spielraum

Eine kleine Entdeckungstour durch die Spielräume im Kiez: dritte Orte, die Begegnung und Spiel ermöglichen, aber oft ums Überleben und ihre Daseinsberechtigung kämpfen. gesammelt von Stefanie Battisti und Marie Köhler Was sind dritte Orte? Neben Zuhause (erstem Ort) und Arbeit oder Schule (zweitem Ort) gibt es „dritte Orte“: offene Treffpunkte, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben, meist, ohne etwas bezahlen zu müssen. Üçüncü Mekânlar ne demek?  Ev (birinci mekân) ve iş ya da okul (ikinci mekân) dışında “üçüncü mekânlar” vardır: insanların bir araya geldiği, iletişim kurduğu ve topluluk deneyimi yaşadığı açık buluşma noktalarıdır. Çoğunlukla herhangi bir ücret ödemeden kullanılabilirler. ما هي الأماكن الثالثة؟ إلى جانب المنزل (المكان الأول) والعمل أو الدراسة (المكان الثاني)، هناك „أماكن ثالثة“: أماكن لقاء مفتوحة يجتمع فيها الناس، ويتبادلون الأفكار، ويتفاعلون مع المجتمع، عادةً دون الحاجة إلى دفع أي شيء. Für die Donaukids: Wir bringen Bewegung in den Hof! Im Donaukiez fehlt es an Freiflächen und Bewegungsorten. bwgt e.V. öffnet und betreut die Schulhöfe unserer Grundschulen im Kiez deshalb für Kinder aus dem Umfeld: „Spiel & Spaß im …

#winning

Beim Spielen geht es nicht ums Gewinnen. Das sollte auch die Botschaft unserer Ausgabe sein. Aber dass Gewinnen Spaß macht, zeigt die Glückssträhne unserer Kiezredaktion im letzten Halbjahr. In eigener Sache: von Stefanie Battisti Recherche lohnt sich… Schon bei der ersten Sitzung der Kiezredaktion stand fest: Die neue Ausgabe widmet sich dem Thema Spielen. Gleich im Anschluss stolperten wir über die Ausstellung Game, Gamble & Play im benachbarten “Hilbertraum”   in der Reuterstraße – perfekt für eine erste Recherche zum Thema! Knapp vor Ende der Finissage eingetroffen, fanden wir uns zwischen Bällebad, Bildern und allerlei Spielereien wieder. Und dann: die Tombola. Unsere Kollegin Yael wagte ihr Glück, obwohl sie selbst immer sagt: „Ich gewinne eh nie was.“ Die Siebdruck-Beutel, der Trostpreis, sahen immerhin gut aus. Die Ziehung begann, Nummer für Nummer, Gewinner*in um Gewinner*in… Yael hatte sich schon resigniert ins Bällebad zurückgezogen. Und dann geschah es: Nummer 77! Unsere Kiezredakteurin erhielt den Hauptpreis: ein Bild des Berliner Künstlers Philip Grözinger. #winning …und Engagement auch! Auch die restliche Kiezredaktion ging im letzten Halbjahr nicht leer aus: …